05/24 Corona entkommen #02, Gabriella Cleuren, 2020

05/24 Corona entkommen #02

Gabriella Cleuren

2020

Die Straße ist lang und leer, verlassen, ein angenehmes Gefühl. Sie betrachten einen Raum, der irgendwohin führt und nicht gefüllt ist. Die Kontraste der überhängenden Baumwipfel sind frisch und gelb mit dunklen Bereichen. Insbesondere die Leere wirkt sich auf das sonst vorherrschende Treiben und Rasseln aus und unterscheidet sich von diesem. Friedliche Leere mit Vogelgezwitscher in hohen Kronen: Titten, Rotkehlchen und eine virtuose Amsel, die ein Klangregister öffnet. Die Nebenstraßen sind staubig und trocken und unheimlich. Der gesamte übersichtliche Raum der Kopfsteinpflasterstraße bietet jedoch einen Überblick und eine Übersicht. Dann biege ich links in den Geburtswald ab: ein Kontrast aus rosa Bäumen und "wildem Grün im Vordergrund". Die wilden Schatten liegen wie hohe Phasen, gespenstische Geister über dem Unterholz. Ich gehe durch die unheimliche Vegetation, flankiert von dünnen Stämmen des jungen Geburtswaldes. Eiche, Birke, Holunder und Buche in einem Chor trommelten zusammen und auf der anderen Seite Brombeeren.

Dann erreiche ich eine gefallene Birke, die den alten wilden Wald wie eine silberne Schlange abschließt und wo Sie sich ausruhen können und alles auf Kniehöhe beobachten. Die Stille und das Licht fallen wie Geister über deine Haut. Ich nehme allmählich Stamm für Stamm wahr, rötlich, trocken, vibrierend, springe von eins auf drei, von gerade nach schräg. Du ruhst dich aus und hörst zu und der Wald bewegt sich über dich, geht an dir vorbei und legt seine Hand auf deine Schultern und lässt die Stille und das Lied der Vögel in dir versinken. Plötzlich erscheint eine dunkle Gestalt vor Ihnen, die winkt und winkt, den Weg weist und flüstert und zeigt. Er nimmt den schmalen, krummen Weg zwischen dem wilden Wald und dem einheimischen Wald vorweg, der wie Stängel wie Streicher angeordnet ist, ein Chor aus aufrechten Linien und weichem Laub. Der Mann mit der roten Kappe verschwindet in der Ferne, schrumpft und wartet und klammert sich an einen weißen Ast, der eine Richtungsänderung anzeigt. Dann biegt der Wald links über einen getrockneten Graben ab, zwischen Brombeeren und aufdringlichen Stielen, verstört, und biegt nach rechts ab. Die Bäume sind jetzt gebrochen und hängen halb gespalten und glatt mit der Krone nach unten. Holzsplitter ragen aus dem orangefarbenen Stamm heraus. Ein Netzwerk weißer Zweige steigt herab und windet sich zwischen dem grünen Wachstum. Ein Gewirr von Linien, Zweigen, ein rundes Geflecht aus rotierenden Nestern, so wild, so dschungelartig, dass es plötzlich zivilisiert wird. Die Plantagen wurden humanisiert, ein Haus, das versteckt ist und im Grünen erscheint. Wo ist der Mann, der wie ein roter Punkt verschwunden ist? Lebt er hier? Durch die Markise, die 50 cm überragt, sieht alles verlassen aus und wirkt wie eine Wohnung. Meine Augen durchsuchen die Fenster, kein Hinweis auf Bewegung. Die Terrasse ist leer. Die Türen schlossen sich. Hinten ein Schwimmbad mit beschnittenem Buchsbaum, verlassen, leer. Eine Metalltreppe taucht in die Schüssel ein. Ich kann nicht sehen, ob Wasser darin ist. Der nahe gelegene Garten ist nur minimal gepflegt, mit Ausnahme des Parks selbst, der wie der Krippenwald wilde weiße gefällte und zerrissene Bäume beherbergt und Rousseau-ähnliche Bedingungen bewahrt. Seltsamer Blick.

Der Eingang daneben zeigt für einen Tag keine Bewegung. Viele blaue Busse bedeckten Abriss, Schmutz und ein Mercedes-SUV wurde nach Wochen keinen Zentimeter bewegt. Er schlägt Präsenz vor. Aber es gibt keine. Eines Tages sehe ich 2 Schwingtüren, Jalousien wie Flügel, die die Seitentür kranzten. Es gibt stille Bewegung. Ich gehe auf einer breiten, grasbewachsenen Auffahrt über die gesamte Länge des Parks zur toten Straße. Draußen steht ein kleiner Container. Es gibt also doch jemanden. Ist es der Mann mit der roten Mütze, der wie ein Insektenloser im Haus lebt? 

Gabriëlla Cleuren 24/05/2020

Lesen Sie weiter zu Teil 03 von Corona entkommen >>

Back to Publications