04/24 Corona entkommen #01, Gabriella Cleuren, 2020

04/24 Corona entkommen #01

Gabriella Cleuren

2020

Seit Mitte März 2020 war plötzlich nichts mehr möglich.

Aussichten wurden abgesagt, Besuche undurchlässig gemacht. Am 8. April plante ich einen Besuch aus Hamburg, nichts davon wurde aufgeführt. Alexander ist nicht gekommen.

Ich konnte meine bestellten Rahmen für meine Ausstellung nicht mehr abholen und das bis zum 4. Mai. Alles war verboten, Versammlungen, Einkäufe in vollen Läden. Es hat mich nicht gestört. Ich mochte nie Menschenmassen. Die Konsumgesellschaft hatte weder ein vollwertiges Mitglied für mich, noch bin ich ein Trinker, und mit Überraschung gehe ich über lange Gestelle voller eleganter Weinflaschen: nichts für mich. Trinken ist zu beanstanden, aber wehe den Süchtigen, die sich bei jedem Einkauf einer Reihe von Verführern stellen müssen, entmutigt, in allen Sprachen und Verpackungen beworben. Zweifelhafte Haltung der Missbilligung und Verführung.
Aber jetzt: Sperren, der Korken auf den Drang zu leben, aber wie immer mache ich nicht mit.

Ich organisiere, schminke, entkomme.

Natürlich muss ich mich um Einkäufe kümmern, kein Problem, ein angenehmes Intermezzo, das nicht so schlimm ist, ein Schuss alter Gewohnheit, Anregung von Bedürfnissen und Nichtbedürfnissen, geht weiter.

Ich nehme das wartende und manchmal kämpfende Schauspiel am Eingang zur Kenntnis. Machtverhältnisse ändern sich. Der Zugangswächter wird plötzlich schwer, fordert Gehorsam und Respekt, handelt schwer, entlässt oder hilft. Alle Facetten sind möglich. Ein anderer ist gleichgültig, rational oder hilfreich

Ich muss jetzt meine Zeit anders organisieren. Zu Hause zu bleiben ist keine Option. Wöchentliche Museumsbesuche verschwinden, mein täglicher Spaziergang um den See ist geschlossen - zu viel Öffentlichkeit. Dann verlagere ich mein Gelände in die Umgebung, entlang von Wäldern, staubigen Straßen oder Kopfsteinpflasterstraßen.

Dort entdecke ich plötzlich den Geburtswald! Eine neue junge Plantage mit tausend Setzlingen, die den Kampf ums Überleben beginnen. Diejenigen, die nicht stark sind, gehen aus. Wer Kraft hat, wird erwachsen und bleibt. Die anderen verschwinden und so bildet der Geburtswald später einen normalen Wald. Die Namen der zwischen 2008 und 2013 geborenen Kinder sind auf den Tafeln aufgeführt. Ich sehe mein Enkelkind mit ihrem Namen in einer langen Reihe fremder Kinder und eigener Kinder. Die Zeichnung eines schmuddeligen Kindes ragt am Rand hervor und lockt Sie in den Wald. So ungeschickt schön und teuflisch energisch. Dann gehe ich weiter, umgeben von wilden alten Wäldern, mit festen weißen Bäumen und umgestürzten Birken und glatten, großen Buchen und krummen Eichen und drei Sprüngen, die den Himmel in ihrem Tanz halten. Die Aussicht wird jetzt so wild und trocken und heiser. Eine weiße gefallene Birke vereitelt den großen wilden Wald und lässt ihn ruhen, schwingen und entdecken. Hier ist meine tägliche Unterhaltung. Ich nehme Sicht für Sicht, Stamm für Stamm, gefallene Krone und gebrochenen, gespaltenen Pfosten auf. Der wilde Wald ist ach so unorganisiert, nicht harmonisch, kein Wald erster Wahl, sondern ein Kampf ums Überleben, wie der Zustand des Menschen auf der Erde heute und wie immer. Ich beschließe, an jedem interessanten Anblick festzuhalten, nicht an meiner normalen Wahl, sondern an einem erzwungenen Koronawald, der gesperrt ist und dem Kampfwald entkommt. Manchmal wird er harmonisch, wenn der Mensch eingreift, greift aber auf Einbürgerung und Kraftmessung zurück, wenn die Natur zurückschlägt. Also starte ich eine Serie und scanne den Wald nach interessanten Ansichten. Ich fange jeden Tag eine andere Perspektive ein. Es gibt sehr wenig Farbe, umso wilder Bewegung und unvergesslichen blauen Himmel, die den Blick auf das Mittelmeer erhellen. Natürlich sind es meine Interpretationen, Kreationen.

Gabriëlla Cleuren 24/04/2020

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