Vision auf Kunst, Gabriella Cleuren, 2012

Vision auf Kunst

Gabriella Cleuren

2012

Maler arbeiten heute nicht mehr nach der Natur, eine Skizze dauert zu lange, also begnügen wir uns mit einem Foto. Dabei riskiert man natürlich, einfach eine Kopie eines Fotos zu machen: technisch ganz gut, wie so vieles, was man im Internet antrifft, aber für mich keine Kunst. Es ist vielmehr ein Métier, ein Handwerk. In der Kunst ist der erste Schritt stets eine Interpretation oder eine totale Transformation, was eine Indoktrination oder Umformung durch den Geist bedeutet. Dabei schleichen sich unbewusste Elemente in das Werk ein, die ihm seine Ausstrahlung und innerliche Aussagekraft verleihen. Die moderne Kunst arbeitet darum oft mit einem Bild, das eine Illustration einer Bedeutung ist, die zum Ausdruck gebracht werden will. Das ist zwar schon lange salonfähig, aber sagt mir wenig. Es ist mir zu zerebral. Ich empfinde es vielmehr als einen guten Fund. Ein kurzer Kick der Erkennung und Schluss. Ein Werk wirklich zu schaffen geht doch ein paar Schritte weiter. Und es dann zu beherrschen, zu ästhetisieren und dem Betrachter näher zu bringen ist noch so viel mehr. Ich sehe Parallelen zum Film.

Der Künstler kann auch sehr befremdend arbeiten, wenn er seine eigene Sprache kreiert hat und diese handhabt. Es ist eine Art von Alphabet, das erst verstanden und erlernt werden muss, um das Werk in seiner Gänze zu entziffern, um in die Welt eines anderen durchzudringen.  Genau wie bei meinen virtuellen Welten. Es verlangt dem Geist mehr Anstrengung ab. Und das ist nicht immer möglich. Jeder hat seine eigene Auslegung vom eigenen Hintergrund oder der eigenen Welt aus. Und in einem Werk laufen auch so viele Fäden unter der Oberfläche, so viele unbewusste Symbole, dass es nur für das Auge des faszinierten Betrachters sein Wesen enthüllt, seine Vielschichtigkeit bloß gibt. Es ist wie bei der Sprache, nicht nur das gesprochene Wort gilt, auch der Tonfall und die unbewusste Körpersprache zählen.

Darum ist es nicht immer ratsam, das Werk zu erklären. Für einen Betrachter kann es eine andere Welt bedeuten, von seinem Hintergrund aus, und die eigene Auslegung muss möglich sein und bildet den Reichtum an Vielfalt und Verschiedenheit.

Back to Publications